Sturmschaden am Dach: vom Boden prüfen, dann Betrieb rufen

Nach der Böenfront vom 8. September liegen Ziegel im Garten, der First steht schief, oder die Rinne hängt. Dieser Text hilft einzuordnen, was Sie vom Boden und vom Estrich sehen — und wann Notabdeckung, kantonale Gebäudeversicherung und Dachdecker an der Reihe sind, bevor jemand bei Wind die Leiter anstellt.

Die Böenfront vom 8. September ist kein Einzelfall

Am Abend des 8. September 2026 endete ein heisser Septembertag mit einer Gewitterlinie über der Alpennordseite. MeteoSchweiz beschreibt das am 9. September im Beitrag «Stürmische Böenfront beendet ausgesprochen heissen Septembertag»: nachmittags 30 bis 34 Grad in den Niederungen, am Abend eine den Gewittern vorauseilende Böenfront. Vom Drei-Seen-Land bis zum Bodensee lagen die Böen verbreitet zwischen 80 und 100 km/h. Neue Septemberrekorde nannte dasselbe Amt für Steckborn mit 110 km/h, Koppigen mit 101 km/h und Wynau mit 98 km/h.

Das ist die Lage, in der Hauseigentümer in Zürich, Basel, Bern, Genf und Lausanne am nächsten Morgen denselben Blick nach oben machen: fehlt ein Ziegel, steht der Kaminhut schief, liegt Blech auf dem Trottoir. In einzelnen Gemeinden des Seetals gingen bei Dachbetrieben Dutzende Meldungen ein. Der nächste Herbststurm braucht keinen Rekordtag. Sobald MeteoSchweiz eine Warnung für starken Wind herausgibt, gilt dieselbe Reihenfolge: sichern, fotografieren, Versicherung, Betrieb — nicht die Leiter, solange es noch zieht.

Ein brauner Ring an der Decke nach ruhigem Dauerregen ist ein anderes Thema. Dafür steht der Text Dach undicht. Hier fehlt etwas mechanisch: Eindeckung, First, Rinne, Attika, ein Ast auf der Fläche. Die Heizung, die nach der kühlen Nacht nicht anspringt, gehört in Heizung ausgefallen. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, deren Aussengerät Laub oder Eis zeigt, in Wärmepumpe im Herbst. Mischen Sie die drei Anrufe nicht in einem Satz «das Haus ist nach dem Sturm kaputt».

Vom Boden, vom Fenster, nicht von der Traufe

Gehen Sie bei Tageslicht einmal ums Haus. Nasse Ziegel und lockere Bleche machen die Traufe zur Rutschbahn. Was Sie brauchen, sehen Sie oft vom Garten, vom gegenüberliegenden Trottoir oder aus dem Obergeschossfenster: Lücken in der Fläche, ein First, der Wellen wirft, eine Rinne, die vom Haken hängt, ein Kaminhut, der fehlt, eine Antenne, die nur noch an einem Bein steht. Ein Fernglas oder das Teleobjektiv des Telefons ersetzt die Leiter. Fotografieren Sie dieselbe Stelle von zwei Seiten und einmal mit einem festen Bezug — Fenster, Gaube, Nachbarfirst — damit der Betrieb die Lage findet, ohne dass Sie «irgendwo oben links» beschreiben.

Auf dem Flachdach in der Agglomeration Genf oder Lausanne sehen Sie vom Treppenhausaustritt oft schon stehendes Wasser, eine hochstehende Naht oder Kies, den der Wind gegen die Attika geschoben hat. Treten Sie nicht auf die Abdichtung, um «nur schnell den Ablauf freizumachen». Ein Tritt auf die Naht ist ein zweiter Schaden. Vom Boden prüfen Sie, ob Wasser über die Attika läuft oder ob das Fallrohr nach dem Starkregen noch tropft, während die Fläche oben steht.

Photovoltaik auf dem Dach ändert die Grenze. Verbogene Module, lose Klemmen, ein Kabel, das in der Luft hängt: Abstand, nicht selbst nachziehen. Gleichstrom bleibt gefährlich, auch wenn der Wechselrichter aus ist. Den Elektriker und den Dachdecker trennt das Verzeichnis; der Anruf «machen Sie beides» ohne Besichtigung ist die Offerte, die nachher zwei Nachträge trägt.

Was Sie aussen zuerst einordnen
Bild Typische Lage Erster Schritt
Einzelne Ziegel im Garten, Lücke in der Fläche Steildach, Traufe, Kehle Fotografieren, Bruchstücke liegen lassen, Notabdeckung
First oder Grat steht schief, Klammern fehlen Firstlinie, Ortgang Nicht nachklopfen. Betrieb und Versicherung
Rinne hängt, Fallrohr gelöst, Blech auf dem Weg Traufe, Fassade Wegsperren, nicht selbst hochbiegen
Ast auf der Fläche, Ziegel darunter gebrochen Dachfläche, Rinne Ast nur vom Boden, wenn er frei liegt. Sonst Garten und Dach
Offene Naht, stehendes Wasser, Kies an der Attika Flachdach Nicht betreten. Notabdeckung durch den Betrieb

Legen Sie einen unbeschädigten Ziegel oder ein Blechstück nicht «zum Vergleich» in den Keller, wenn es vom Dach stammt. Die Schätzung braucht das Bruchstück am Ort. Ein Foto mit Massstab — Schlüssel, Schuh, Zollstock — reicht für die erste Meldung.

Innen in der ersten Nacht

Wasser nach einem Sturm kommt oft schräg und schnell: durch die Lücke, unter die Traufe, entlang der Sparren, dann tropft es zwei Meter neben der Öffnung. Stellen Sie einen Eimer, ziehen Sie Möbel und Teppiche weg, fotografieren Sie den Fleck mit Datum, bevor jemand wischt. Wächst der Rand nach dem nächsten Schauer, haben Sie eine Zeitachse. Markieren Sie den Rand mit Bleistift — dieselbe Methode wie beim undichten Dach, nur dass die Ursache hier oft schon aussen sichtbar ist.

Im Estrich: Taschenlampe, fester Schuh, Dämmung nicht zerdrücken. Nasse Mineralwolle, dunkles Holz, Tropfen an Nägeln, ein Loch, durch das der Himmel sichtbar ist. Das letzte Bild ist der Moment für die Notabdeckung, nicht für «wir warten bis Montag, es soll ja abtrocknen». Offen liegende Schalung plus angekündigter Regen in der Warnung von MeteoSchweiz ist Folgeschaden, den Sie begrenzen können.

Wasser nahe an einer Leuchte, einer Steckdose oder am Sicherungskasten: die betroffene Sicherung raus, nicht weiter einschalten. Das ist Elektro, nicht Dach. In der Mietwohnung in Basel oder Zürich informieren Sie zusätzlich die Verwaltung; Ihr Anruf im Verzeichnis ersetzt die Meldepflicht an die Eigentümerschaft nicht. Tropft es hinter einer abgehängten Decke und die Decke hängt durch, hören Sie auf zu prüfen.

Notabdeckung ja, Neueindeckung noch nicht

Die Gebäudeversicherung Bern schreibt unter provisorische Schutzmassnahmen: hat ein Sturm das Dach beschädigt, dokumentieren Sie den Schaden und lassen Sie offene Stellen provisorisch schliessen, damit kein Wasser in die Konstruktion oder ins Innere läuft. In allen anderen Fällen — also ohne drohenden Folgeschaden — gilt dort: dokumentieren, melden, erst nach Freigabe der Kostenbeteiligung instand stellen.

Die Gebäudeversicherung Kanton Zürich sagt im Leitfaden Vorgehen im Schadenfall dasselbe in anderen Worten: Sofort- und Notmassnahmen, um Folgeschäden zu vermeiden — Notabdeckungen, Abpumpen, Grobreinigung, Trocknung — brauchen keine Freigabe durch die GVZ. Veränderungen, welche die Abklärung erschweren, unterlassen Sie. Die Kosten der Notmassnahme übernimmt die GVZ, sofern sie zweckmässig und angemessen ist; das Amt nennt das Rettungspflicht. Eine Neueindeckung «weil der Betrieb gerade im Quartier ist» ist keine Notmassnahme.

Praktisch heisst das: Plane oder Notabdichtung über der Lücke, Wasser weg, Bruchstücke liegen lassen, Fotos vorher. Kein ganzer Dachteil entsorgen, kein «wir machen gleich die Südseite neu, die war sowieso alt». In einer Stockwerkeigentümergemeinschaft in Bern oder Lausanne gehört die Gebäudehülle oft der Gemeinschaft. Die Verwaltung oder die Hauswartung zuerst — Ihr Anruf ersetzt den Servicevertrag der Liegenschaft nicht, beschleunigt aber die Notabdeckung, wenn niemand erreichbar ist und es durchregnet.

Diese Seite zertifiziert niemanden und vermittelt keine Versicherung. Eine Plane auf nassem, steilem Dach gehört dem Betrieb mit Sicherung, nicht dem Nachbarn «der das jedes Jahr macht». Der Filter «Notfall» im Verzeichnis ist ein Hinweis auf Pikett — keine zugesagte Ankunftszeit.

Was die Gebäudeversicherung von Ihnen will

In den meisten Deutschschweizer Kantonen ist die kantonale Gebäudeversicherung für Sturm, Hagel und Hochwasser am Gebäude zuständig — in Zürich die GVZ, in Bern die GVB. In Genf und im Wallis gilt oft eine private Police. Melden Sie dort, wo die Police steht, nicht «irgendwo in der Schweiz». Mobiliar, Garten, umgestürzte Bäume ohne Gebäudeschaden und Leitungswasser sind häufig eine andere Deckung. Die GVZ schreibt ausdrücklich: Schäden infolge Leitungsbruch, Rückstau, Grundwasser oder undichter Konstruktionen sowie an Mobiliar und Umgebung sind bei ihr nicht versichert; dafür die private Gebäudewasser- oder Hausratversicherung.

Für die erste Meldung reichen Adresse, Schadendatum, Ursache so weit Sie sie kennen, Ausmass grob, eine Telefonnummer vor Ort. Die GVZ nimmt das über das Onlineformular oder die Schaden-Hotline 0800 442 442 entgegen — sieben Tage, rund um die Uhr, Stand der Seite «Vorgehen im Schadenfall». In Bern nennt die GVB den Weg über gvb.ch/schaden und verlangt Fotos, auf denen die Stelle erkennbar ist. Die GVB hält fest: wer den Schaden vor der Kostengutsprache beheben lässt, riskiert, dass die Reparaturkosten nicht oder nur teilweise übernommen werden. Die gesetzliche Meldefrist nennt sie unverzüglich, spätestens innert zwei Jahren.

Selbstbehalte sind kantonal. Die GVZ nennt für Elementarschäden 500 Franken pro Ereignis und Gebäude. Das ist Zürich, nicht eine Schweiz-Pauschale. In Bern und in einer privaten Genfer Police steht die Zahl in der Police, nicht in diesem Text. Fragen Sie nicht den Dachdecker, «ob die Versicherung das schon zahlt», bevor die Abschätzung da ist. Der Betrieb schreibt eine Offerte nach Besichtigung. Sie reichen sie ein. Bandbreiten für eine spätere Neueindeckung stehen unter Kosten; das Gebäudeprogramm unter Förderungen ist ein anderes Projekt — energetische Dämmung vor Baubeginn, nicht die Plane über der Sturmlücke.

Was Sie nicht anfassen

Alles, was unter Last, Strom oder Asbestverdacht steht, bleibt zu. Eine Wellplatte aus den siebziger Jahren, ein Kleber unter alten Ziegeln, Staub nach dem Bruch: nicht kehren, nicht sägen, den Betrieb mit dem Hinweis schicken. Lose Kaminsteine und ein schiefer Hut sind Statik und Abdichtung, kein «wieder draufsetzen vom Dachfenster aus». Gartenmöbel, Trampolin und die eigene Leiter, die der Wind noch bewegen kann, sichern Sie am Boden — das steht auch in Haus winterfest machen, gilt aber in der Stunde nach der Böe zuerst.

  1. Leiter an nasser Fassade, Betreten der Fläche, First nachklopfen: zweiter Schaden, oft ohne Zeugen.
  2. Hochdruckreiniger in die Rinne oder auf die Abdichtung: Wasser unter die Traufe, Naht auf.
  3. Bruchstücke entsorgen oder die Südseite «gleich mitmachen», bevor jemand geschätzt hat.
  4. Module, Stecker, Wechselrichter: Abstand. Elektriker, nicht der Schraubenzieher aus dem Keller.
  5. Asbestverdacht, Kamin, durchhängende Decke: Anruf, nicht weiter räumen.

Wann Sie aufhören zu prüfen

Zwischen einem einzelnen Ziegel im Beet und einer offenen Schalung über dem Kinderzimmer liegt die ganze Entscheidung. Im ersten Fall fotografieren, Versicherung, Termin. Im zweiten Fall sperren Sie den Raum, fangen Sie Wasser auf, und der Anruf ist sofort — auch am Sonntag, auch wenn «im Sommer alles dicht war».

  1. Himmel durch die Schalung, First verschoben, Blech auf dem Trottoir: Weg sichern, Notabdeckung, nicht warten auf den Werktag.
  2. Wasser an Elektro, Brandgeruch, ausgelöste Sicherung nach Nässe: Elektro, Dach danach.
  3. Durchhängende Decke, knackendes Holz, nasser Verputz, der sich löst: raus aus dem Raum.
  4. Nächste Sturmwarnung oder Dauerregen in der Vorhersage und die Lücke noch offen: Plane hat Vorrang vor der schönen Offerte.
  5. Stockwerkeigentum, gemeinsames Dach: Verwaltung parallel zum Betrieb. Ihr Alleingang auf der Gemeinschaftsfläche wird teurer als der Anruf.

Was Sie am Telefon sagen

Steil- oder Flachdach; ungefähre Zahl fehlender Ziegel oder offene Naht; ob es innen tropft; ob Elektro betroffen ist; ob die Gebäudeversicherung schon eine Nummer hat; ob eine Plane liegt; ob Photovoltaik auf der Fläche ist; ob Asbest möglich scheint. Ein Dachbetrieb in Zürich oder Lausanne kann so entscheiden, ob er mit Notabdeckung kommt oder einen normalen Termin setzt. Fragen Sie nach einer Offerte nach Besichtigung, nicht nach einem Festpreis am Telefon für «das ganze Dach nach dem Sturm».

Die grobe Fläche für eine spätere Diskussion, nicht für die Notnacht, schätzt der Dachflächenrechner. Die Zahl dort ist kein Aufmass. Nach dem Regen, wenn der Fleck bleibt und kein Ziegel fehlt, sind Sie wieder im Text zum undichten Dach. Bleibt Feuchte in der Wand, kommt oft der Maler — nachdem die Ursache dicht ist, nicht vorher; das steht in Schimmel im Herbst.

Das Verzeichnis filtert Dachdecker in Ihrer Stadt. Sie rufen selbst an. Niemand hier leitet die Nummer weiter, spricht mit der Versicherung oder verspricht eine Ankunft vor dem nächsten Schauer.

Geprüft. Dachbetrieb anrufen.

Keine Weiterleitung, keine zugesagte Ankunftszeit. Die Nummer steht beim Eintrag.

Dachdecker im Verzeichnis